Warum Erinnerungen noch wehtun – obwohl das Ereignis längst vorbei ist

Mar 24, 2026


Viele Menschen kennen dieses Phänomen: Eine Situation aus der Vergangenheit ist längst vorbei, und dennoch reagiert der Körper noch darauf.

Ein Gespräch. Ein Ort. Ein Geruch. Eine Situation.

Und plötzlich reagiert etwas in uns, als würde eine alte Erfahrung gerade wieder passieren.

Der Körper spannt sich an. Das Herz schlägt schneller. Ein Gefühl von Angst, Druck oder Schwere taucht auf.

In solchen Momenten fragen sich viele Menschen:

Warum trifft mich das immer noch?
Warum kann ich die Vergangenheit nicht einfach hinter mir lassen?
Warum wirken alte Erfahrungen oder Erinnerungen noch so stark?

Psychologen sprechen in solchen Momenten oft von Triggern – also Situationen, in denen eine Erinnerung eine starke emotionale oder körperliche Reaktion auslösen kann.

Doch eigentlich passiert etwas viel Einfacheres.

Nicht das ursprüngliche Ereignis kehrt zurück. Sondern eine Erinnerung daran taucht im gegenwärtigen Moment auf.

Über genau diese Frage sprachen meine Kollegin Sandra Heim und ich neulich in unserem Leichter Leben Podcast. Und manchmal sind es gerade die einfachen Beobachtungen aus dem Alltag, die uns etwas Entscheidendes über die menschliche Psyche zeigen.

Was ein Hund über Erinnerung, Angst und Trigger zeigen kann

Sandra erzählte eine kleine Geschichte über ihren Hund Kecki.

Sie ging wie so oft mit ihm spazieren. Der Weg führte an einem elektrischen Weidezaun vorbei. Dann passierte etwas, das Kecki noch nie erlebt hatte: Er lief versehentlich direkt in den Zaun hinein.

Der Stromschlag kam völlig überraschend.

Kecki jaulte laut auf, rannte erschrocken im Kreis und kam sofort zu Sandra gelaufen, als würde ein kleines Kind Schutz suchen. Sein gesamtes System war in Alarmbereitschaft.

Nach einiger Zeit beruhigte er sich wieder. Der Spaziergang ging weiter. Und scheinbar war alles vorbei.

Doch ein paar Tage später geschah etwas Interessantes.

Als Sandra denselben Weg erneut entlangging, kam sie erneut an dieser Stelle vorbei. Der Zaun stand natürlich noch dort. Aber diesmal berührte Kecki ihn nicht.

Und trotzdem gab es eine heftige Reaktion.

Sobald sie sich dem Zaun näherten, duckte sich Kecki. Sein Körper spannte sich an. Er zitterte. Sein Schwanz ging nach unten. Und er lief schnell zu Sandra zurück, als würde die Gefahr jeden Moment wieder auftreten.

Obwohl in diesem Moment gar nichts geschah.

Kein Strom.
Kein Schmerz.
Keine reale Bedrohung.

Sein Körper reagierte, als würde sich die Erfahrung wiederholen.

Sandra schaute ihn an und dachte:
„Ah ja. So funktionieren Erinnerungen. Auch bei Hunden.“

Warum der Körper auf Erinnerungen reagiert

Viele Menschen kennen genau dieses Phänomen aus ihrem eigenen Leben.

Eine bestimmte Situation taucht wieder auf. Ein Satz erinnert uns an etwas. Ein Ort fühlt sich auf einmal unangenehm an.

Und plötzlich ist auch das alte Gefühl wieder da.

Der Körper spannt sich an.
Der Atem verändert sich.
Eine bekannte Angst oder Unsicherheit taucht auf.

Oft interpretieren wir das sofort persönlich.

Wir denken:

Mit mir stimmt etwas nicht.
Ich dachte, ich hätte das längst verarbeitet.
Warum triggert mich das immer noch?

Doch was wäre, wenn in diesem Moment etwas viel Einfacheres passiert?

Was wäre, wenn gerade einfach eine Erinnerung auftaucht – und unser Körper automatisch auf etwas reagiert, das er einmal gelernt hat?

Nicht, weil die Situation gerade gefährlich ist.
Sondern weil sie es einmal war.

Der wichtige Unterschied zwischen Ereignis und Erinnerung

Das eigentliche Ereignis mit Kecki dauerte nur wenige Sekunden.

Der Stromschlag kam.
Der Schreck kam.
Und kurz danach war alles wieder vorbei.

Doch die Erinnerung daran konnte später erneut auftauchen. Und mit der Erinnerung tauchte auch die körperliche Reaktion wieder auf.

Für uns Menschen fühlt sich das oft so an, als würde das Ereignis selbst zurückkehren.

Doch wenn wir genauer hinschauen, merken wir etwas Entscheidendes: Das Ereignis selbst passiert nicht noch einmal.

Was passiert, ist eine Erinnerung, die im gegenwärtigen Moment auftaucht.

Eine gedachte und gefühlte Erfahrung.

Das ist kein kleiner Unterschied.
Es ist ein sehr wichtiger.

Denn solange wir unbewusst erleben, dass die Vergangenheit in jedem Erinnerungsmoment wieder Realität wird, fühlen wir uns ihr ausgeliefert.

Sobald wir aber erkennen, dass gerade eine Erinnerung auftaucht – und nicht das Ereignis selbst –, entsteht ein neuer innerer Raum.

Warum dieses Muster auch im Alltag von Führungskräften und Unternehmern sichtbar wird

Dieses Prinzip zeigt sich nicht nur bei schweren traumatischen Erfahrungen oder belastenden Kindheitserlebnissen.

Es taucht auch in ganz normalen Lebenssituationen auf.

Ein Geschäftsführer erinnert sich an eine gescheiterte Entscheidung vor fünf Jahren und spürt noch heute denselben Druck, wenn er wieder Verantwortung übernehmen muss.

Eine Unternehmerin hat einmal öffentlich Kritik an ihrer Arbeit bekommen und merkt Jahre später noch, wie sich ihr Körper anspannt, sobald sie ihre Sichtbarkeit erhöht.

Oder jemand hat eine schwierige Beziehung hinter sich und reagiert plötzlich misstrauisch – obwohl die aktuelle Situation eigentlich sicher ist.

Das ursprüngliche Ereignis liegt längst in der Vergangenheit.

Aber die Erinnerung daran kann sich im gegenwärtigen Moment wieder lebendig anfühlen.

Und unser Körper reagiert, als würde die Situation erneut passieren.

Menschen haben etwas, das Kecki nicht hat

Sandra sagte am Ende dieser Geschichte etwas sehr Schönes.

Irgendwann hat Kecki den Vorfall einfach vergessen. Mit der Zeit wurde der Ort wieder ganz normal für ihn. Doch er hatte dafür keine bewusste Einsicht.

Er hat keinen Intellekt, mit dem er sagen könnte:

„Ah, mein Körper erinnert sich gerade an etwas von früher. Aber gerade passiert nichts.“

Wir Menschen haben diese Möglichkeit.
Wir können erkennen, wenn eine Erinnerung auftaucht.
Wir können bemerken, dass ein Gedanke ein Gefühl auslöst.

Und manchmal reicht dieses kleine Stück Verständnis bereits aus, damit sich etwas in uns beruhigt.

Wir müssen nicht gegen das Gefühl kämpfen.
Wir müssen uns nicht zwingen, anders zu denken.
Wir erkennen einfach, was gerade wirklich passiert.

Eine Erinnerung taucht auf.
Nicht das Ereignis selbst.

Was sich verändern kann, wenn wir Erinnerungen anders verstehen

Wenn wir beginnen, diesen Unterschied zu sehen, entsteht oft ein neuer innerer Raum.

Ein Raum zwischen dem, was einmal geschehen ist, und dem, was gerade wirklich passiert.
Ein Raum, in dem wir bemerken können:

Gerade ist alles in Ordnung.
Gerade bin ich sicher.
Gerade ist dieser Moment neu.

Und manchmal ist genau dieser kleine Raum der Anfang von etwas Größerem.

Nicht unbedingt sofortige Heilung.
Nicht unbedingt einer großen Transformation.
Aber vielleicht eines der ersten Atemzüge der Freiheit.

Und von frischem Denken und Handeln.

Emotionale Trigger: Fragen zur eigenen Reflexion

Wenn dich dieses Thema berührt, könnten dir vielleicht ein paar Fragen helfen, genauer hinzuschauen:

  • In welchen Situationen tauchen alte Reaktionen in meinem Leben noch auf?

  • Gibt es Momente, in denen mein Körper reagiert, obwohl gerade nichts Gefährliches passiert?

  • Könnte es sein, dass in diesem Moment eine Erinnerung auftaucht – und nicht das ursprüngliche Ereignis selbst?

  • Was verändert sich, wenn ich diesen Unterschied bemerke?

Du musst darauf keine schnellen Antworten finden.
Manchmal reicht es schon, die Frage offen zu lassen.

Herzlich

Shailia



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