Warum du im Leben feststeckst – und wie du wieder rauskommst
May 20, 2026
Die liegende Acht & 2 Stimmen
Kennst du das, wenn du in einer Situation feststeckst, aus der es anscheinend keinen Ausweg gibt?
Nicht, weil du zu wenig weißt oder zu wenig tust. Sondern weil dein Kopf dich in einer Schleife hält, die sich im Kreis dreht – immer wieder dieselben zwei Seiten, immer wieder dasselbe Dilemma.
Ich sehe das jeden Tag in meiner Coaching-Arbeit. Und ich habe dafür einen Namen: die liegende Acht.
Was ist die liegende Acht?
Stell dir eine Nummer 8 vor, die umgefallen ist und nun auf der Seite liegt – wie ein Unendlichkeitszeichen.
Auf der einen Seite dieser liegenden Acht steht das, was du willst. Auf der anderen Seite steht der Grund, warum du es nicht haben kannst. Oder zumindest: warum dein Verstand dir erklärt, dass es gerade nicht möglich ist.
Und deine Gedanken laufen. Hin und her. Von einer Seite der liegenden Acht zur anderen. Und wieder zurück.
Das ist die unendliche Schleife der liegenden Acht.
Sie sieht zum Beispiel so aus:
Ich will diesen Job oder diese Art von Arbeit nicht mehr machen. Aber ich brauche das Geld unbedingt.
Ich will weniger schuften. Aber wenn ich das tue, geht das Geschäft bergab, und ich kann mein Leben nicht finanzieren und meine Zukunft nicht absichern.
Ich will endlich etwas Neues aufbauen. Aber ich kann es mir gerade noch nicht – zeitlich, energetisch oder finanziell – leisten.
Der Verstand präsentiert dir eine Logik, die sich absolut schlüssig und fest anfühlt. Zwei Dinge, die sich gegenseitig ausschließen. Und genau das ist das Problem.
Die wissende Frau, die auf ein Nein hoffte
Ich arbeite gerade mit einer wunderbaren Frau, die ihr eigenes Business aufbaut. Sie kommt aus einer leitenden Position in einem größeren Unternehmen, war dort erfolgreich und ist für ihre Fähigkeiten anerkannt.
Aber dieses alte Leben – das ist nicht mehr das, was sie will.
Sie baut gerade etwas Neues auf. Einen neuen Fokus, eine neue Zielgruppe, ein neues Angebot. Es ist noch in den Anfängen. Sie wird noch nicht dafür bezahlt.
Und dann kommen immer wieder Anfragen aus ihrem alten Umfeld – Dinge, die sie gut kann, die sie kennt, die ihr Sicherheit versprechen.
Ihr vernünftiger Verstand (die erste Stimme) sagt:
„Du musst das annehmen. Du brauchst das Geld. Das ist realistisch. Das macht Sinn."
Ihr tieferes Wissen (die zweite Stimme) sagt:
„Nein. Das ist nicht der Weg, den du gehen willst."
Kürzlich saß sie in einem Gespräch mit mir und beschrieb eine konkrete Anfrage. Ich konnte hören, wie sie innerlich schon beim Erzählen zusammenzuckte. Es war nicht mehr ihr Ding. Das wusste sie genau.
Und dann sagte sie etwas, das mich sehr zum Nachdenken gebracht hat:
„Ich hoffe, dass sie Nein sagen. Dann muss ich es nicht tun."
Ich fragte sie: „Und wenn sie Ja sagen?"
Sie antwortete: „Dann würde ich es trotzdem machen."
Interessant, dachte ich …
Sie wartet auf ein Nein von außen, weil sie sich das wahre Nein von innen noch nicht erlaubt hat.
Ich möchte nicht. Aber ich muss. Ich könnte. Aber ich will nicht wirklich. Rein in die Schleife, raus, wieder rein.
Das ist die liegende Acht.
Der Unternehmer, der sich nach mehr persönlicher Freiheit sehnte
Ein anderer Executive-Coaching-Kunde von mir führt seit vielen Jahren sein eigenes Unternehmen. Er ist sehr erfolgreich darin. Er liebt, was er tut. Aber er arbeitet zu viel. Viel zu viel.
Er möchte weniger arbeiten. Er will früher nach Hause gehen, präsenter mit seiner Familie sein, mehr Zeit für sich selbst haben. Für seinen Körper, für seine Freunde, für das Leben neben dem Business.
Seine Gedankenkreise sehen so aus:
Ich will weniger arbeiten und mehr leben. Aber wenn ich Kunden und Aufträge ablehne, geht der Umsatz zurück, meine Mitarbeiter sind in Gefahr und mein Ruf leidet.
Lange Zeit machte er weiter wie bisher. Dabei sehnte er sich nach dem gesunden, lebendigen Leben, das er eigentlich führen wollte.
Auch hier drehte sich die Schleife. Immer wieder. Hin und her.
Das ist auch die liegende Acht.
Was der Verstand als Ausweg vorschlägt
Irgendwann wird die Schleife so eng, dass der Verstand sagt: Wir brauchen eine radikale Lösung.
Also fängt man an, alles umzubauen. Neue Systeme, neue Prozesse, neue Strukturen. Man delegiert, reorganisiert, optimiert. Der große Befreiungsschlag wird gesucht … durch eine Veränderung im Außen.
Und für eine Weile – ein paar Tage, vielleicht ein paar Wochen – fühlt sich alles besser an.
Bis man merkt: Man ist wieder in der Schleife. Nur jetzt auf einem anderen Level. Denn der Verstand hat die neue Lösung längst auch in die liegende Acht eingebaut:
Ich möchte vieles radikal verändern. Aber wenn ich das tue, enttäusche ich meine Geschäftspartner, verunsichere ich mein Team, verliere Kunden und gefährde das Unternehmen.
Man ist wieder dort, wo man angefangen hat.
Das ist keine Schwäche. Das ist einfach, wie der intellektuelle Verstand funktioniert. Er löst Probleme auf der Ebene, auf der er sie geschaffen hat. Und genau deshalb kommt man mit reinem Denken nicht aus der Schleife heraus.
In den 3 Prinzipien nennen wir das: Denken, das sich selbst im Weg steht. Wir leben in unserem Denken – und solange wir das nicht sehen, fühlt es sich wie die Realität an.
Der Durchbruch – als sich etwas leise verschob
Ich möchte dir direkt erzählen, wie die Geschichte dieses Unternehmers weiterging.
Denn er steckte nicht für immer in der liegenden Acht fest.
Irgendwann während unseres Coaching-Prozesses versuchte ich etwas Ungewöhnliches. Statt weitere Gespräche zu führen, schrieb ich für ihn eine Geschichte.
Eine Geschichte über einen Mann, der alles zusammenhält. Der zuverlässig ist, der nie etwas fallen lässt, der trägt und trägt und trägt … und dabei kaum merkt, wie wenig von seinem eigenen Leben noch übrig bleibt.
Er erkannte sich darin wieder. Das war der Anfang.
Etwas in ihm begann, sich zu verschieben – durch das, was er selbst so beschrieb: kleine Stellschrauben, die er anfing, anders zu drehen – immer dann, wenn er spürte, dass etwas ihn belastete, ohne dass es das musste.
Er sagte ein Nein zu einem neuen Auftrag, der sich nicht richtig anfühlte, und die Welt ging nicht unter.
Er ging an einem Abend früher nach Hause und saß ruhig bei seiner Frau, während sein Verstand (die erste Stimme) ihm ins Ohr flüsterte: „Du kannst jetzt nicht einfach hier sitzen. Es wartet noch so vieles." Er blieb trotzdem.
Er begann, Verantwortung an jemanden in seinem Team abzugeben, dem er schon lange mehr zugetraut hatte, als er ihm bisher gegeben hatte. Und das fiel ihm, zu seiner eigenen Überraschung, plötzlich leicht.
Was hatte sich verändert?
Die äußeren Umstände waren dieselben. Die Struktur seines Unternehmens war dieselbe. Der Druck von außen auch.
Es war der Ort in ihm, von dem aus er entschied.
Solange er aus Angst entschied – aus dem Gefühl heraus, dass alles zusammenbrechen würde, wenn er loslässt – wurden die Arbeit, seine Verantwortung und die Erschöpfung größer.
Als er anfing, aus innerer Ruhe zu entscheiden – der zweiten Stimme zu folgen statt der ersten – begann sich das System von selbst neu zu verteilen.
Er sagte es in unserem letzten Gespräch so:
„Ich dachte immer, ich halte alles zusammen. Dabei habe ich nur der falschen Stimme zugehört."
Und dann, nach einer kurzen Pause:
„Als ich angefangen habe, ganz kleine Entscheidungen aus meinem inneren Wissen heraus zu treffen, hat sich mehr verändert, als ich je durch radikale Veränderungen hätte erreichen können."
Das ist kein Märchen. Das ist das, was passiert, wenn die zweite Stimme das Steuer übernimmt – nicht einmal, nicht dramatisch, sondern hundertmal, in den kleinen Momenten des Alltags.
So brach er aus der liegenden Acht heraus.
Es gibt zwei Stimmen
Jetzt kommt der Teil, der alles verändert … und ich habe es bereits mehrfach angedeutet.
Es gibt nicht nur eine Stimme in dir. Es gibt zwei.
Die erste Stimme ist die des intellektuellen Verstandes. Sie ist laut, sie ist logisch, sie klingt vernünftig. Sie spricht von Sicherheit, Risiko, Konsequenzen und dem, was du dir leisten kannst – oder nicht. Sie meint es gut. Sie will dich schützen.
Aber sie hält dich auch in der Schleife.
Die zweite Stimme ist leiser. Sie ist tiefer. Sie ist weder laut noch logisch – zumindest nicht in dem Sinne, den unser Verstand als Logik kennt.
Es ist die Stimme deiner tiefsten Wahrheit. Deiner inneren Weisheit. Das, was manche Intuition nennen, andere ein Bauchgefühl, wieder andere einfach: dein klares Wissen.
Und diese Stimme – die weiß es. Du fühlst es.
Bei meiner Coaching-Kundin hat sie es die ganze Zeit über gewusst: „Ich will das nicht." Sie wusste es einfach. Sie spürte es. Es war nicht ihr Weg.
Wie du aus der Schleife herauskommst
Der Ausweg aus der liegenden Acht liegt nicht darin, die Schleife weiter zu optimieren.
Er liegt darin, die zweite Stimme zu hören. Zu ehren. Und ihr zu folgen.
Das klingt einfach. Und gleichzeitig ist es das Schwierigste, was ich kenne – besonders für Menschen, die ihr ganzes Leben lang gelernt haben, dem Verstand zu vertrauen.
Uns wurde beigebracht: Sei rational. Sei vernünftig. Entscheide mit dem Kopf. Niemand hat uns beigebracht, auf die zweite Stimme zu hören. Und doch ist sie da. Immer. In jedem Moment.
Es geht um drei Schritte – und alle drei sind notwendig:
Hören. Die zweite Stimme wahrnehmen. Bemerken, dass sie da ist.
Ehren. Ihr Respekt entgegenbringen. Nicht sofort wieder vom Verstand übertönen lassen.
Folgen. Das ist der entscheidende Schritt. Hören und Ehren allein reichen nicht. Du musst ihr folgen – in den klitze-kleinen Momenten des Alltags.
In den 3 Prinzipien sprechen wir davon, dass Weisheit immer verfügbar ist. Sie ist nicht etwas, das wir uns erarbeiten müssen. Sie ist bereits in uns.
Was sich verändert, ist unser Bewusstseinszustand – und je ruhiger unser Verstand wird, desto deutlicher hören wir diese tiefere Stimme.
Es sind wirklich die kleinen Momente
Bitte erwarte nicht den einen großen Befreiungsschlag.
Es ist nicht die eine riesige Entscheidung, die alles verändert. Es sind tausend kleine Momente in einem Monat.
Es ist der Moment, in dem meine Coaching-Kundin eine Anfrage bekommt, und diesmal Nein sagt. Weil sie ihrer inneren Stimme folgt, bevor der Verstand das Argument der Notwendigkeit aufbauen kann.
Es ist der Moment, in dem der weise Unternehmer den Laptop zuklappt und nach Hause geht. Nein, es ist nicht alles erledigt. Aber er hört seine zweite Stimme eindeutig: „Jetzt ist es genug für heute."
Es ist der Moment, in dem du merkst: Ich bin gerade wieder in der Schleife. Und allein dieses Bemerken öffnet schon ein kleines Fenster.
Das ist kein linearer Prozess. Es ist keine Methode, die man einmal anwendet und dann damit fertig ist. Es ist eine tägliche Praxis. Eine Praxis des Hinhorchens. Des Innehaltens. Des Vertrauens.
Und je öfter du der zweiten Stimme folgst, desto vertrauter wird sie. Desto klarer wird sie.
Was das mit Freiheit zu tun hat
Freiheit entsteht nicht, wenn sich die äußeren Umstände verändern.
Freiheit entsteht, wenn wir aufhören, nur der Stimme des Verstandes zu folgen – und beginnen, der tieferen Stimme in uns zu vertrauen.
Das ist keine naive Romantik. Es ist die nüchternste Wahrheit, die ich kenne.
Denn solange wir in der liegenden Acht feststecken und auf eine äußere Lösung warten – auf das Nein der anderen Seite, auf den richtigen Zeitpunkt, auf die perfekten Umstände – geben wir die Verantwortung für unser Leben ab.
Die zweite Stimme gibt sie uns zurück.
Einen kleinen Schritt nach dem anderen.
Steckst du gerade in deiner persönlichen liegenden Acht?
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Und wenn du neugierig bist, wie Coaching bei dir aussehen könnte,
schau gerne hier vorbei: Coaching für Menschen, die Verantwortung tragen

Shailia Stephens ist Life & Business Coach in der Nähe von Frankfurt am Main. Sie begleitet Führungskräfte, Selbständige und ganz normale Menschen mitten in ihrem wunderbaren Leben zurück zu innerer Ruhe und entspanntem Erfolg – auf Basis der 3 Prinzipien von Sydney Banks.
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In 21 Gesprächen teilen Coaches und Menschen wie du das, was sie lange verborgen hielten. In dieser Interview-Serie erfährst du, welche Einsichten ihr Leben verändert haben – und warum du mit deinen Ängsten und Zweifeln nicht allein bist.
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